Das Tal der untergehenden Sonne

 

 

 

Betrübt sah er auf den güldnen Weg vor seinen Augen. Die Sonnenstrahlen spiegelten sich in dem harten Kopfsteinpflaster und es ward ihm, als würde er den Weg nach Eldorado, in das Reich der Mayas schreiten. Die Sonne, so groß und schön, wie er sie kannte. Majestätisch prangt sie dort am westlichen Himmel und stellt sich dar in voller Blüte.

„Das ist der letzte Blick“, dachte er und verkrampfte seine Finger um seine Hutkrempe, bis die Knöchel weiß hervorstachen. „Der letzte Anblick, vollen Übergusses, reinen Ergötzens, an der Sonne, die so strahlend schön, so hell und warm.

„Ist es der richtige Weg?“, fragte er sich. „Kann ich mich nicht umentscheiden?“

Zu spät, bald geht sie unter, die Pracht, der Prachten. Der Himmel färbte sich rot, blutend vor ihm, das Kopfsteinpflaster. Einst das Leben, so golden und reich und nun, blutleer, durstig, düster. Er seufzte und setzte sich den Hut auf den Kopf. Ein letzter Blick zurück und dann tauchte er ein in das Tal der untergehenden Sonne. Das Blut schloss ihn vollends ein und ließ ihn niemals wieder fort.

 

 

 

 

 

 

 

© Gina (08. februar 2011)

Hommage an Anne Rices "Interview with the Vampire - The Vampire Chronicles 

 


 

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Kommentare: 1
  • #1

    Kisumi (Samstag, 12 Februar 2011 13:40)

    Hi,

    ja eine kurze Vampirgeschichte, ohne einen Vampir zu erwähnen, aber die Konzentration auf die Sonne und das Blutrot passt hervorragend dazu. Man spürt fast das Elend des Mannes, das Schicksal, die Sonne nicht mehr sehen zu können. Das ist großes Leid, Schmerz, oft deine Themen. Sehr gelungen
    (das klingt fast wie bei einem Kritiker, findest du nicht^^, ist aber nicht negativ gemeint mit der Kritik^^) Nein, wieder einmal gefällt mir deine Literatur sehr gut.

    Grüße
    Kisumi