Der geplante Selbstmord

Ich saß in meinem Zimmer und weinte, sah mich um, fragte mich, was ich hier noch sollte. Kurzerhand stand ich auf und begann, all meine Sachen zusammenzupacken. Säuberlich verstaute ich alles in Kartons, verschloss diese und stapelte sie in einer Ecke.
Ich verschenkte alles, alles kam weg. Manche boten mir Geld, doch ich nahm es nicht an, denn dort wo ich hin wollte, brauchte ich keines.
Meine Wohnung war leer, mein ganzer Besitz war verschenkt, geliehenes gab ich zurück, bis nichts mehr übrig blieb. Außer mir.
Ich fragte mich, ob es Sinn hatte, einen Brief zu verfassen, doch ich entschied mich dagegen. Wozu das ganze denn? Also ging ich zur Tür hinaus, warf einen letzten Blick zurück, doch lächeln tat ich nicht. Schnurstracks bewegte ich mich zur Brücke. Die Sonne schien, die Vögel sangen. Der Frühling lag in der Luft. Warm blies mir der Wind ins Gesicht, als ich auf die Brüstung stieg, die Sonne im Rücken, die Arme ausbreitend.
Ich setzte den rechten Fuß voran, schwebte und fühlte mich frei.

 

 

 

© Gina (14. april 2010)  

 

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